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Alle Details, Diskussionen und Beispiele direkt von Jan & Olaf Mehlhose.
Warum Europa? Die unterschätzten Vorteile des Auswanderns innerhalb der EU
Viele Deutsche denken beim Thema Auswandern sofort an exotische Fernziele wie Dubai, Thailand oder Lateinamerika. Dabei liegt eine der attraktivsten Auswanderungsregionen der Welt direkt vor der Haustür: Europa. Innerhalb der Europäischen Union profitierst du als Deutscher von der Freizügigkeit – du kannst ohne Visum einreisen, dich niederlassen, arbeiten und ein Unternehmen gründen. Das senkt die bürokratischen Hürden erheblich.
Europa ist dabei alles andere als homogen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind enorm – in Sachen Klima, Lebenshaltungskosten, Steuerrecht, Infrastruktur und Mentalität. Wer in München lebt und arbeitet, hat eine völlig andere Erfahrung als jemand, der in Lissabon, Palma de Mallorca oder Barcelona seinen Alltag verbringt. Diese Vielfalt ist eine Stärke: Für nahezu jede Lebenssituation und jedes Budget gibt es das passende europäische Land.
Besonders interessant für Selbstständige, Unternehmer und ortsunabhängig Arbeitende: Mehrere EU-Länder haben in den vergangenen Jahren gezielte Sondersteuerregime eingeführt, um gut verdienende Zuzügler aus dem Ausland anzulocken. Diese Programme sind legal, transparent und können unter den richtigen Voraussetzungen die Steuerlast massiv reduzieren – für einen begrenzten Zeitraum sogar in Richtung eines klassischen Steuerparadieses.
In diesem Artikel stellen wir dir die fünf empfehlenswertesten europäischen Länder zum Auswandern für Deutsche vor – mit einem besonderen Fokus auf Portugal und Spanien, die sogenannten „Lifestyle-Maximierer" unter den Auswanderzielen.
Portugal – Zehn Jahre Steuervorteile und mediterranes Flair in Lissabon und der Algarve
Portugal gilt unter Auswanderern seit Jahren als Geheimtipp – wobei das Geheimnis längst gelüftet ist. Das Land im Westen der Iberischen Halbinsel verbindet leistbaren Lifestyle, atemberaubende Landschaften und eines der attraktivsten Sondersteuerregime in der gesamten EU. Kein Wunder, dass immer mehr Deutsche Selbstständige, Unternehmer und Remote-Worker den Schritt nach Portugal wagen.
Herzstück der steuerlichen Attraktivität ist das sogenannte Sondersteuerregime für Nicht-Habituelle Residenten (NHR), das unter bestimmten Voraussetzungen für bis zu zehn Jahre gilt. In diesem Zeitraum können qualifizierte Einkünfte – zum Beispiel aus freiberuflicher Tätigkeit, Renten oder ausländischen Quellen – zu stark vergünstigten Sätzen oder teilweise sogar steuerfrei behandelt werden. Details dazu hängen stark vom individuellen Fall ab und sollten unbedingt mit einem Steuerberater abgeklärt werden. Wichtig: Das NHR-Programm wurde 2024 reformiert, die Nachfolgeregelung IFICI+ richtet sich gezielter an bestimmte Berufsgruppen und Investoren.
Die bekanntesten Ziele in Portugal für Auswanderer sind die Hauptstadt Lissabon, die charmante Hafenstadt Porto im Norden sowie die sonnenverwöhnte Algarve im Süden. Lissabon begeistert mit seinem einzigartigen Mix aus historischer Architektur, lebendiger Kulturszene, exzellentem Essen und einem vergleichsweise entspannten Lebenstempo. Porto gilt als aufstrebende Startup-Metropole mit einer weltklasse Weinkultur. Die Algarve wiederum ist das bevorzugte Ziel für Familien und alle, die Golf, Strand und Ruhe schätzen.
Für Familien ist Portugal besonders attraktiv: Es gibt zahlreiche internationale Schulen – darunter englischsprachige, deutsche und französische Einrichtungen –, sodass Kinder im Ausland ohne Bildungsbrüche aufwachsen können. Wer in Portugal lebt, lernt Portugiesisch – eine romanische Sprache, die in Brasilien, Angola, Mosambik und weiteren Ländern gesprochen wird und damit deutlich mehr als nur regional relevant ist.
Die Lebenshaltungskosten in Portugal liegen spürbar unter dem deutschen Niveau, insbesondere in Porto und der Algarve. Lissabon hat sich in den letzten Jahren verteuert, ist aber im europäischen Vergleich immer noch attraktiv. Wer sein Einkommen in Deutschland oder einem anderen hochpreisigen Land erwirtschaftet und in Portugal lebt, hat oft das Beste aus beiden Welten.
Spanien – Das 17. Bundesland: Von Mallorca über Barcelona bis zu den Kanarischen Inseln
Spanien ist für viele Deutsche kein fremdes Land – es ist das Urlaubsland schlechthin. Mallorca wird nicht ohne Grund scherzhaft als „17. Bundesland" bezeichnet: Hunderttausende Deutsche verbringen dort ihren Urlaub, Zehntausende haben sich dauerhaft niedergelassen. Doch Spanien hat weit mehr zu bieten als die Balearen. Barcelona, Madrid, Valencia, Alicante, Marbella, Sevilla, Ibiza und die Kanarischen Inseln – die Auswahl an faszinierenden Städten und Regionen ist beeindruckend.
Sevilla beispielsweise gilt als eine der schönsten Städte der Welt: Flamenco, Tapas-Kultur, beeindruckende maurische Architektur und ein Leben, das sich vor allem in den Abendstunden auf die Straße verlagert. Wer im August um 15 Uhr durch Sevilla läuft, findet eine fast menschenleere Stadt vor – die Einheimischen praktizieren Siesta, die Läden sind geschlossen. Ab der Abenddämmerung erwacht die Stadt hingegen zu vollem Leben, die Nacht geht lang. Das ist kein Defizit, das ist Kultur – und wer sich darauf einlässt, liebt es.
Steuerlich bietet Spanien mit der sogenannten Beckham-Law (Ley Beckham) ein attraktives Regime für zugezogene Arbeitnehmer und Selbstständige. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man für bis zu sechs Jahre von einem Sondersteuersatz profitieren, der die spanische Steuerlast erheblich reduziert. Für Hochverdiener kann das ein entscheidender Faktor sein – der Unterschied zum deutschen Steuersystem ist erheblich.
Wer wandert nach Spanien aus? Die Erfahrung zeigt: Besonders erfolgreich sind Auswanderer, die ein bestehendes, ortsunabhängiges Business mitbringen – also digitale Nomaden, Freelancer, Berater oder Unternehmer mit Remote-Betrieb. Auch Angestellte, die ihren Job ins Home-Office verlagern können oder von einem spanischen Unternehmen rekrutiert wurden, leben dort sehr gut. Wer nach Spanien auswandert, um dort von null ein stationäres Business aufzubauen, sollte die Risiken nicht unterschätzen: Ein Restaurant in Marbella zu eröffnen kann funktionieren – geht aber auch schief.
Klimatisch bietet Spanien für fast jeden Geschmack etwas. Die Küstenregionen profitieren vom ständigen Wind und bleiben selbst im Hochsommer erträglich. Das Landesinnere – Sevilla, Madrid – kann im August sehr heiß werden, mit Temperaturen weit über 35 Grad. Die Kanarischen Inseln hingegen genießen das ganze Jahr über mildes Klima und sind damit besonders für diejenigen interessant, die nicht nur den Sommer, sondern ganzjährig Sonne suchen. Naturereignisse wie die Überschwemmungen in Valencia 2024 werden medial stark diskutiert, sind aber keine spanische Besonderheit – vergleichbare Ereignisse gibt es auch in Deutschland (Stichwort: Ahrtal-Flut 2021).
Spanien oder Portugal? So triffst du die richtige Wahl für dich
Die häufigste Frage unter auswanderungswilligen Deutschen lautet: Spanien oder Portugal? Beide Länder liegen auf der Iberischen Halbinsel, haben ähnliches Klima und ähnliche Lebensqualität – und doch unterscheiden sie sich in wesentlichen Punkten.
Sprache ist oft ein entscheidender Faktor: Spanisch ist nach Englisch die meistgesprochene Sprache der Welt und öffnet Türen in ganz Lateinamerika, von Mexiko über Kolumbien bis Argentinien. Wer Spanisch lernt, hat langfristig einen deutlich breiteren sprachlichen Radius als jemand, der Portugiesisch spricht – obwohl auch Portugiesisch durch Brasilien eine enorme globale Reichweite hat.
Steuerlich war Portugal mit dem NHR-Programm über viele Jahre attraktiver als Spanien, da die Laufzeit von zehn Jahren (gegenüber sechs Jahren in Spanien) deutlich länger war. Mit der Reform 2024 hat Portugal das Programm enger gefasst, während Spanien nach wie vor ein robustes Sonderregime bietet. Wer hier die optimale Entscheidung treffen will, sollte unbedingt einen qualifizierten Steuerberater mit Kenntnissen beider Länder hinzuziehen.
Lifestyle-Unterschiede: Lissabon ist ruhiger, familiärer und hat eine etwas entspanntere Atmosphäre als Barcelona oder Madrid. Wer pulsierendes Nachtleben und internationale Business-Netzwerke sucht, ist in Barcelona oder Madrid besser aufgehoben. Wer Natur, Ruhe und Strand bevorzugt, findet das in der Algarve oder auf den Kanaren. Es gibt keine universell richtige Antwort – die Wahl hängt von deinen persönlichen Prioritäten ab.
Für Familien mit Kindern sind beide Länder sehr gut geeignet. Internationale Schulen – deutsch, englisch, französisch und mehr – gibt es in den großen Städten beider Länder. Kinder wachsen mehrsprachig auf, lernen die lokale Sprache spielend und entwickeln oft eine bemerkenswert internationale Perspektive. Viele deutsche Familien, die den Schritt gewagt haben, bereuen ihn nicht.
Ein praktischer Tipp für die Entscheidungsfindung: Verbringe jeweils mindestens vier bis sechs Wochen in deinen Top-Kandidaten-Städten – nicht als Tourist, sondern als vorübergehender Bewohner. Miete eine Wohnung, geh einkaufen, nutze die lokale Infrastruktur, sprich mit Expats. Erst dann weißt du wirklich, wo du langfristig leben möchtest.
Häufige Fragen
📊 Welche Länder passen zu dir persönlich?
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Zum Steueratlas →Rechtlicher Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Steuer-, Rechts- oder Auswanderungsberatung dar. Für individuelle Beratung wende dich an einen zugelassenen Steuerberater oder Rechtsanwalt.